Chanukka-Workshop in Stuttgart

Ein Bericht von Nina aus Heidelberg

    Man hat ihn doch gefunden - den optimalen Weg, wie man uns, jungen, in großen und ganzem säkularen Juden in Deutschland etwas Jiddishkeit beibringt.

    Nein, so schlimm ist es gar nicht: es gibt manche, die etwas tun und es gibt noch mehr von denen, die sich auskennen. Judentum ist aber eine Religion, die man aktiv ausübt: es ist nicht genug, dass man genau Bescheid weiß, wie man Shabbes-Kerzen anzündet, sondern man tut es auch! Und genau das haben die Leute vom Stuttgarter Landesverband organisiert. Eigentlich handelte es sich um Chanukka -Kerzen, aber trotzdem haben es alle, die an Veranstaltung am 5.12.1999 in Stuttgart teilnahmen, gemacht.

    Zwar schreibt die Tradition zuerst ein blindes Folgen den Regeln vor und erst dann das Verstehen, doch wissen die Organisatoren von Stuttgarter Veranstaltung zum Glück, dass gegen Unwissen selbst ein kerngesunder Organismus nichts machen kann.

    Denn bei den Seminaren des Stuttgarter Verbandes sind auch viele Leute aus der ehemaligen Sowjetunion dabei, von denen man eigentlich weiß, dass sie nicht viel über die praktische Seite des Judentums wissen, man aber trotzdem annimmt, dass es mit der Zeit von alleine weggehen wird. Wie eine Erkältung mit Vitaminen und viel Trinken.

    Nun ja, die Reallität zeugt vom Gegenteil. Deshalb ist die Vermittlung der Grundkenntnisse des Judentums ein sehr wichtiger Aspekt für den SVS-Vorstand.

Und so unterschied sich die Stimmung beim Anzünden der Kerzen deutlich von der, die bei allen Veranstaltungen solcher Art entsteht, wo es viele Juden aus der ehemaligen Sowjetunion gibt. Denn vorher haben die freiwillige Referenten - Frederick und Joachim aus Frankfurt - einen ausführlichen und interessanten Vortrag über Chanukka, ihre Geschichte, Traditionen und heutige Bedeutung gemacht. Auch die philosophische Seite wurde nicht vergessen.

    Damit die frisch erworbenen Kenntnisse nicht sofort vergessen werden, haben die Organisatoren anschließend eine Art Feedback-Seminar durchgeführt in Form eines leidenschaftlichen Frage- und Antwort-Spiels. Alle Fragen bezogen sich auf Chanukka, und die Antworten haben gezeigt, wie aufmerksam die Leute zugehört haben. Dies lag natürlich nicht nur an der Interesse für das Thema der Anwesenden, sondern auch an rhetorischen Fähigkeiten von Joachim und Frederick. Und obwohl alle Fragen zum gleichen Thema waren, musste man sich nicht nur mit jüdischer Geschichte, sondern auch Traditionen der jüdischen Küche auskennen. Und schließlich gab es eine Diskothek zur Belohnung, bei welcher sich für jeden Geschmack etwas finden ließ, so dass alle auf ihre Kosten kamen. Die 5 Stunden vergingen wie im Flug. Es war wirklich schade, daß der Abend so schnell vorbei war. Es bleibt nur noch zu hoffen, dass Veranstaltungen solcher Art öfter wiederholt werden.