Lange Nacht der Filme 2003 - Bericht eines Teilnehmers aus Nürnberg

Als ich von der Möglichkeit erfuhr, an der alljährlichen Veranstaltung „Lange Nacht der Filme“ in Stuttgart teilzunehmen, hielt ich am Anfang nicht sehr viel davon, umso mehr, dass zu diesem Zeitpunkt sowieso schon über 30 Personen aus Nürnberg auf der Teilnehmerliste standen. Aber aufgrund der Altersbegrenzung musste die Delegation unseres Jugendclubs sehr stark reduziert werden. Und gerade dann kam der spontane Gedanke „Warum denn eigentlich nicht?“. Die Reisetaschen waren schnell gepackt und ich schloss mich der Gruppe von 10 munteren jungen Leuten an, die sich auf dem Weg zum Event machten. Nach drei Stunden Zugfahrt trafen wir in Stuttgart ein.

„LNF“ führte Teilnehmer aus ganz Deutschland zusammen. Außer Stuttgart, das als Gastgeber auftrat, waren Gäste aus München, Augsburg, Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Würzburg, Frankfurt, Essen, Dortmund, Köln und sogar Münster anwesend. Nicht weniger bunt war auch die Liste der Länder, aus denen all diese Menschen nach Deutschland kamen: Israel, Russland, Ukraine, Moldawien, Weißrussland, Kasachstan, Lettland. Für uns, die russischsprachige Gruppe aus Nürnberg, besonders angenehm und, ehrlich gesagt, ein wenig überraschend war das große Interesse der deutschsprachigen Mitglieder, die zahlreich am Seminar vertreten waren, was Deutsch zur Kommunikationssprache bei der Durchführung des Programms machte.

Alles begann um 17 Uhr mit der Zündung der Chanukka-Kerzen und dem entsprechenden Gebet. Danach folgte ein hervorragend vorbereiteter und illustrierter Vortrag von einem Münchener Studenten über das brennende Thema „Entwicklung des arabisch-israelischen Konfliktes“. Nach dem Vortrag kam ein Chanukka-Quiz, das ebenfalls von Münchenern vorbereitet wurde und, schließlich, das leckere Abendessen.
Anschließend folgte der eigentliche Kern des Seminars – die Filme. Die Krönung des Abends stellte schließlich die traditionelle jüdische Diskothek dar. Einige gingen danach schlafen, die anderen blieben und unterhielten sich die ganze restliche Nacht. Ich selbst schloss mich einer Gruppe an, die sich über das Judentum, Probleme der Emigration und der Emigranten, die Geschichte des Staates Israel, das Leben in Deutschland und das Leben allgemein austauschte.

Am nächsten Tag gab es eine Seminarreihe einschließlich einer praktischen Übung zur Erstellung von eigenen Internet-Seiten sowie ein Workshop über die Erstellung von PowerPoint-Präsentationen. Eins der interessantesten Ereignisse, oder sogar DAS interessanteste Ereignis war der Busausflug zur alten Synagoge in Hechingen, in welcher die Geschichte der jüdischen Gemeinde Stuttgarts ihren Ursprung findet. Dort fand ein kleiner Vortrag über die Geschichte und die Bedeutung des Chanukka-Festes und ein kleiner Imbiss statt, zu den auch die jüdischen Einwohner Hechingens eingeladen waren. Auf dem Rückweg nach Stuttgart besuchten wir die Studentenstadt Tübingen. Der kleine abendliche Spaziergang durch die ausgeschmückte Stadt versetzte alle Teilnehmer in eine romantische Stimmung. In Stuttgart angekommen, wurden wir mit der heißen Suppe und den traditionellen Kartoffelpuffer (Latkes) empfangen. Danach kam noch ein Film und, natürlich, Disko.

Am nächsten Morgen begann ein Teil der Teilnehmer, sich für die Reise nach Zürich vorzubereiten, zum Treffen mit jüdischen Studenten aus der ganzen Welt. Und auf uns wartete der Heimweg nach Nürnberg. Nach dem Frühstück packten wir unsere Taschen, verabschiedeten uns und machten uns auf dem Weg zum Stuttgarter Hauptbahnhof.

Die „Lange Nacht der Filme“ hat in Stuttgart mehr als 90 Personen zusammengeführt. Das war fast doppelt soviel wie vom Organisationsteam erwartet. Aber, trotz des fehlenden Komforts und einigen Unbequemlichkeiten, die auf die große Anzahl der Teilnehmer zurückzuführen waren, kann man sich nur freuen, dass solche Veranstaltungen auf immer mehr Interesse bei der jüdischen Jugend in Deutschland stoßen. Es gab sowohl romantische Lieder zur Gitarrenmusik beim Kerzenlicht, als auch lustige Witze, Disko und Gespräche bei einer Tasse Kaffee. Aber das wichtigste – es gab geistige Einigkeit der Menschen. Die Einigkeit, die uns, jungen Juden, die in Deutschland leben, manchmal so fehlt. Ich möchte hoffen, dass ähnliche Treffen uns mehr und mehr zusammenführen werden! Und, last but not least – Vielen Dank Stuttgart!!!

Aleksey Posin
Jüdisches Jugendklub „NOAR“,
Nürnberg