Tisch'a BeAv


Der neunte Tag des Monats Av (Tisch'a Beav) ist einer der größten Trauer- und Fasttage im jüdischen Jahr. An diesem Tag haben mehrere für das jüdische Volk tragische Ereignisse stattgefunden.

An diesem Tag kehrten die Gesandten zurück, die das Land Israel erkunden sollten, und versuchten die Juden davon zu überzeugen, es nicht zu betreten. Das ganze Volk glaubte ihnen und weinte ohne wirklicher Ursache. Als Strafe verbat G-tt der ganzen Generation das Land zu betreten und schickte sie auf eine 40järige Wüstenwanderung. Für alle folgenden Generationen machte er den 9. Tag des Monats Av zu einem Trauertag.

An diesem Tag wurden sowohl der Erste als auch der Zweite Tempel zerstört

An diesem Tag fiel die Festung Bejtar, in der sich Hunderte von Juden aufhielten

An diesem Tag befahl Turnusrufus, den Ort, wo der Tempel stand, aufzupflügen, und die Prophezeiung "Zion wird einem Feld ähnlich aufgepflügt" erfüllte sich

Auch andere tragische Ereignisse sind mit diesem Tag verbunden, wie zum Beispiel die Inquisition und Vertreibung der Juden aus England und Spanien, Pogrome an Juden in Worms und Speyer, der Beginn des ersten Weltkriegs und sogar die erste Eisenbahnfahrt von Juden zu den Gaskammern von Auschwitz.
 

Die sinnlosen Tränen des Misstrauens gegenüber G'tt in der Wüste und Zerstörung der beiden Tempel dienen als Symbol für den mangelnden Zusammenhalt des jüdischen Volkes und den sinnlosen Haß (Sinat Chinam).
 

Das Fasten und die Trauerrituale sollen für uns ein Aufruf zur Umkehr und Rückkehr sein und ein
Mahnen zur gegenseitigen Liebe und zum Perspekt zueinander.
 
 
 

Am Tisch'a Beav gelten folgende Gesetze:
 

Man darf nicht essen und trinken, sowie sich die Zähne putzen und sich waschen. Außerdem darf man keine Lederschuhe jeglicher Art tragen und Seife, Salben, Deodorants usw. benutzen (es sei denn, die Ärzte haben es einem verschrieben)

Der Geschlechtsverkehr ist am Tisch'a BeAv ebenso verboten. Ehepartner dürfen sich nicht einmal berühren.

Nach Einbruch des Abends vom Vortag (Erev Tisch'a BeAv) sitzt man nicht mehr auf Stühlen und Bänken, sondern nur auf etwas niedrigerem. Man schläft auch auf eine andere Art und Weise als übrig.
Jemand, der normalerweise auf zwei Kopfkissen schläft, sollte auf einem schlafen. Manche schlafen auf dem Boden und ohne Kissen.

Man grüßt sich nicht am Tisch'a Beav; jemandem, der dieses Gesetz nicht kennt und einen begrüßt, antwortet man mit einem Kopfnicken oder sehr kurz.

Zumindest bis Mittag sollte man nicht rauchen und seiner täglicher Arbeit nicht nachgehen.

An diesem Tag betet man ohne Tallit und Tfillin. Man liest das Buch "Ejcha" ("Megilat Ejcha"), in dem der Prophet Jermijahu die Zerstörung des Tempels beschreibt. Man sagt zusätzliche Gebete, genannt "Kinot" - "Das Weinen". Im "Schmona Esre" von Mincha-Gebet fügt man in Bracha "Bone Jeruschalaim"
"Nachem haschem elokejnu et avelej Zion..." ("Tröste, Ewiger, unser Gott, die um Zion trauern...") hinzu und in "Schma kolejnu" "Anejnu, haschem, anejnu..." ("Erhöre uns, Ewiger, erhöre uns...").

Am Tisch'a BeAv beten wir, daß der Tempel baldmöglichst wiederaufgebaut ist und wir uns wieder alle in Eretz Israel versammeln.

© MiG 1999